"Weimar: GEZEICHNET"

Im Juli 2015 erschien das Buch "Weimar - GEZEICHNET" zum Skizzenfestival in Weimar 2014 mit vielen Zeichnungen die im Rahmen des Festivals im letzten Jahr entstanden waren.
Das schöne Büchlein war als Überraschung beim diesjährigen Skizzenfestival in Halle erhältlich.
Danke, ihr Weimarer! Es ist sehr schön geworden!
Illustration: Maki Shimizu


















Weimar: GEZEICHNET – 82 Seiten im limitierten Riso- und mit Siebdruck-Cover
Konzeption Alexander von Knorre, Gestaltung Nicola Hammel-Siebert und Rosa Linke.
Mit vielen wunderschönen Zeichnungen der Zeichner aus ganz Deutschland.

-> Blog des "Skizzenfestval Weimar" zur Buchpräsentation
-> Meine Skizzen vom Skizzenfestival Weimar 2014


Interview zu "Karlchen Adler"


Interviews mit Detlef Surrey zu seiner Figur "Karlchen Adler" für den Deutschen Bundestag,
geführt von Sigmund Riedel für das Forum Werbecomics.info.



Detlef Surrey / Fragen zur Person:

Geboren in Rheinhessen, ging Detlef Surrey nach Abitur und Wehrdienst 1975 zum Studium (Politologie) nach Berlin.
Während des Studiums begann er, Cartoons und Comics für Bürgerinitiativen und Stadtzeitungen zu zeichnen.
1980-86 Studium ’Visuelle Kommunikation’ an der HdK (Hochschule der Künste) Berlin, Abschluss als 'Diplom Designer’

Parallel zum Studium zeichnete er weiter Cartoons und Comics.
1983-90 Comic Strip
'Emil' im Berliner Stadtmagazin zitty'.
Seit 1990 freiberuflicher Illustrator für Editorial und Agenturen und Verlage.
1988-98 Gemeinschaftsatelier „Büro für Gestaltung“.
Seit 1998 Ateliergemeinschaft mit Johann (Hansi) Kiefersauermittlerweile zu dritt mit dem Illustrator Jens Bonnke
2007 kreierte er die Figur 'Karlchen Adler' für den Deutschen Bundestag.

1. Wie sind Sie zum Comic-Zeichnen gekommen?

Im Kino meiner Eltern habe ich schon als kleiner Junge die großen weißen Rückseiten der alten Kinoplakate mit Cowboymotiven bemalt. So fing es an.


Während meines Politik-Studiums engagierte ich mich in Stadtteilinitiativen in Kreuzberg und illustrierte deren Infomaterialien mit Cartoons.
Das hat mich schlussendlich angekickt.



2. Was waren bzw. sind Ihre zeichnerischen Vorbilder?
Als Kind hatte ich Fix und Foxi geliebt und später die detailreichen Zeichnungen und den Humor von Asterix.
Als ich selbst anfing zu zeichnen, haben mich die Cartoons von Gerhard Seyfried aus dem Münchner Blatt sehr beeinflusst. Sie drückten das Lebensgefühl einer ganzen Szene aus und haben den Humor und den Stil sehr stark geprägt.

3. Sind Sie bereits in der Kindheit mit (Werbe-)Comics in Berührung gekommen.
Fix und Foxi, Lurchi von Salamander, die Animationsfilme des HB Männchens, der Mainzel- männchen und Onkel Otto.

4. Wenn ja, was waren Ihre Lieblingsserien?
Zuerst Fix und Foxi, später war Asterix ungemein wichtig.
Unser Französischlehrer versuchte, unser Herz für die Sprache zu gewinnen, indem er uns „Astérix chéz les Helvètes“ lesen lies. Das gab es damals noch nicht auf Deutsch.
Mit der Sympathie für die Sprache hat es damals noch nicht geklappt (die kam erst später), aber
Asterix fand ich toll!

5. Welche weiteren Werbecomics haben Sie gezeichnet?

Werbecomics Keine.


Den Comic-Strip "Emil" zeichnete ich von 1983-1990 für die Zitty, die WAZ und verschiedene andere Stadtmagazine, u.A. den „Tell" in der Schweiz, dort hieß er allerdings „Rudi“.




6. Was sind Ihre momentanen Projekte im Comic-Bereich?
Ich arbeite gerade an einer neuen Karlchen Adler Geschichte.


Karlchen Adler:


7. Können Sie etwas zu der Konzeption der Geschichten sagen?
Die Figur Karlchen Adler soll Kindern ein positives Gefühl zur Demokratie und dem politischen System in der Bundesrepublik vermitteln.

8. Können Sie Einzelheiten zu den Figuren nennen: Charakter, Rolle in den Geschichten, Plot-Struktur, etc.?
Die Geschichten spielen in einer „Adler-Welt“, alle Figuren sind Adler. 
Die Handlungsorte sind als Sitz des Parlamentes Berlin und der Ort des Wahlkreises Adlershofen.

Karlchen Adler
ist ein Kind im Grundschulalter, pfiffig und neugierig.
Weitere Figuren sind seine Freunde, die Jugendlichen
Kalle und Karla,
sowie der Onkel Kurt, welcher als Bundestagsabgeordneter den Wahlkreis in Berlin vertritt. 

9. Wurden die Figuren von Ihnen entwickelt, oder waren sie vorgegeben?
Die Figuren habe ich entwickelt.



















10. Welches ist die Zielgruppe?
Kinder im Grundschulalter, etwa im Alter zwischen sieben und elf Jahren. 

11. Wie ist die durchschnittliche Auflagenstärke?
Soweit ich informiert bin, hatte die erste Geschichte mittlerweile eine Auflage von ca. 50.000 Exemplaren.

12. Wurden die Geschichten auch in andere Sprachen übersetzt und herausge- bracht? Wenn ja, welche waren das?
Nein. Sie richten sich an in Deutschland aufwachsende Kinder.

13. Welchem Zeichenstil würden Sie die Illustrationen zuordne Haben Sie auch die Texte und auch den Plot für die Comics erstellt?
Der Zeichenstil ist funny/Ligne Claire.
Die Plots und Texte habe ich entworfen und skizziert.

14. Wie kam es zur Zusammenarbeit zu Karlchen Adler und wie gestaltet sich
Die Figur des kleinen Adlers hatte ich 2007 zur Illustration einer Imagebroschüre der Kinderkommission im Deutschen Bundestag entwickelt. Sie fand daraufhin großen Anklang. 



Nachfolgend illustrierte ich zahlreiche Info-Materialien und „Give Aways“ für Kinder.
Stundenpläne, Puzzles, Adventskalender, Frisbees, Schulhefte, Brotdosen und Vieles mehr.



Im Jahr 2009 wurde ich gebeten, eine Comic-Geschichte zum Thema „Wahlen“ mit Karlchen Adler zu entwickeln.
Das Konzept des Comicheftes mit abschließendem Quiz zum Thema und einer Antwortpostkarte am Schluss habe ich erarbeitet und es wurde so übernommen.
Das Konzept der Geschichte stammt ebenfalls von mir, wobei die Ausarbeitung dann in enger Abstimmung mit dem Bundestag erfolgte.
Für diese erste Geschichte erhielten die Figuren auch erstmals ihre Namen.



15. Welchen Vorgaben müssen Sie folgen; was können Sie frei gestalten?
Nun ja, Karlchen Adler ist der Sympathieträger des Deutschen Bundestages für Kinder. Dessen muss er sich natürlich würdig erweisen...
Er ist sowohl meine Figur, deren Urheber ich bin - und gleichzeitig der Sympathieträger des Deutschen Bundestages, der nicht einfach so machen kann was er will.


Ich schließe mich bei allen Projekten mit dem Bundestag kurz, ob sie im Sinne der Sympathiefigur wären.
Andererseits ist wird der Bundestag nichts mit
Karlchen Adler ohne meine Mitwirken um- setzen.

16. Wie ist der Arbeitsablauf für "Karlchen Adler". Organisatorisch (Absprache mit dem Auftraggeber, etc.) und zeichentechnisch?
Nachdem das Thema eines Heftes festgelegt ist, erstelle ich ein Konzept für die Geschichte mit einem Storyboard.
Die Texte umreiße ich hierbei ebenfalls grob.
Die schlussendliche Feinarbeit wird gemeinsam mit dem „Referat Öffentlichkeit“ und einer Lektorin des Bundestages erarbeitet.
„Zeichentechnisch“ gehe ich so vor, dass ich zunächst sehr kleine, grobe Skizzen auf Papier erstelle, die ich in den Rechner einlese. Ab dann erfolgen alle Arbeitsschritte am Computer. Ich benutze ein Wacom Cintiq Zeichen-Tablett, d.h. ich zeichne direkt auf den druckintensiven Bildschirm. Hierbei benutze ich die Programme Photoshop und Manga Studio.


17. Wurden Passagen, Panels für die Geschichten abgelehnt, Wenn ja warum?`
Jede Geschichte wird in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bundestag erstellt. Hierbei gibt es intensive inhaltliche Diskussionen, was wichtig sei und wie wir es vermitteln können.

18. In den 1980er Jahren zeichneten Sie, z.B. mit Harald Juch, Hausbesetzer-Comics; heute zeichnen Sie edukative Comics für den Deutschen Bundestag. Wie ist es zu einem solchen Wechsel gekommen?
Meinem Engagement in der Sanierungsbewegung in Berlin in den Achzigerjahren - und der Arbeit heute im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Parlaments der Bundesrepublik liegt vielleicht - jeweils in seiner Zeit - der gleiche Wunsch zugrunde:
Ich möchte mit meinen Zeichnungen etwas positiv zu bewegen!


Damals war es die Beobachtung von Missständen - und der Wunsch, diese bewusst zu machen und ein positives Gegenbild zu beschreiben.

Heute freue ich mich, mit Karlchen Adler dazu beitragen zu können,
Kindern ein positives Grundgefühl zur Demokratie in der Bundesrepublik zu vermitteln. Wählen, Einfluss nehmen, mitbestimmen... das finde ich sehr wichtig.


19. Was sind ihre persönlichen Erinnerungen, die Ihnen in diesem Zusammenhang in den Sinn kommen? Gibt's da auch ein paar interessante oder lustige Anekdoten?
Ach, das gibt es sicher sehr viele... ;-)

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werbecomics.infoist ein, mit viel Engagement betriebenes Forum für deutsche Comics, die jenseits der käuflich zu erwerbenden und kommerziell vertriebenen Autoren- und Verlagscomics entstehen. Es behandelt Comics von Firmen wie Lurchi von Salamander ebenso, wie edukative Comic Serien wie Hanisauland von der Landeszentrale für Politische Bildung.

Karlchen Adler Links:


Karlchen Adler Comicgeschichten zum Durchlesen:
Karlchen Adler auf meiner Website
Karlchen Adler auf der Kinderwebsite des Deutschen Bundestages
Bestellservice des Deutschen Bundestages
Karlchen Adler auf facebook:

Berlin Kreuzberg - Heinrichplatz



Skizze aus Berlin Kreuzberg - der Heinrichplatz mutet fast ein wenig französich an.
Man hört dort alle Sprachen der Welt und kann dazu bei "Superhahn" im alten Kiosk ein leckeres Gemüsekebab essen. /
The Heinrichplatz in Kreuzberg with its almost French flair. You can listen to all languages of the world while eating a "vegetable kebab" at "Superhahn´s" kiosk.

Gerade lese ich eine FlickrMail:
"Hallo ! Glückwunsch! Das Foto Berlin - Heinrichplatz 2015 - © Detlef Surrey, das du zur Gruppe Urban Sketchers hinzugefügt hast, wurde als Titelfoto ausgewählt.
Schau es dir mal an:  Hier "


















Das freut mich sehr!

-> Mein Skizzenbuch auf Flickr
-> Urban Sketchers Group auf Flickr

Interview zum Comic-Strip "Emil"










Der Comic-Strip "Emil" war von 1983-91 ein fester Bestandteil des Berliner Stadtmagazins "Zitty". Als Beobachter begleitete und kommentierte er die Alternative Szene und die politischen Geschehnisse dieser Jahre.


Das Interview mit Detlef Surrey zu seinem Comic-Strip und der Zeichenerszene in West-Berlin in den 80er-Jahren führte Günter Sahler für das Forschungszine -> BUMERANG*.




Bumerang: Die ersten Comicbücher an denen du beteiligt warst, kamen aus der linksalternativen, pazifistischen bzw. Hausbesetzer-Bewegung. Wie kann man sich die Zusammenarbeit der Künstler vorstellen?

Detlef Surrey: 1979/80 waren Fuchsi, Peter Petri und ich, als in der gleichen Szene zeichnend, aufeinander aufmerksam geworden. Wir beschlossen „etwas zusammen zu machen“, zogen Hansi Kiefersauer aus München und Harald Juch hinzu und konzipierten den „Kopf hoch!“ Karikaturen-Kalender, den wir dann gemeinsam acht Jahre lang herausgaben. Zuerst im Selbstverlag, später im Berliner Leue Verlag.
Wir Zeichner erlebten einander als Kollegen und Freunde. Mit Hansi Kiefersauer arbeite ich noch heute im gemeinsam 1998 gegründeten Atelier zusammen.


"Kopf Hoch!" Zeichner 1982
Detlef Surrey, Fuchsi, Harald Juch und Peter Petri
Bumerang: Der „Kopf hoch!“-Kalender kam also bereits vor dem ersten Comicbuch 1981. Habt ihr jeder für sich gearbeitet und dann alles zum Schluss zusammengeworfen? Ich kann mir denken, dass bei einem Projekt mit mehreren Zeichnern viel organisiert werden muss.

Detlef Surrey: Ja, am Anfang stand die Frage: Was wollen wir überhaupt machen? Wir wussten nur, dass wir unsere Cartoons zusammenlegen und ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen wollten. Als die Idee Kalender stand, mussten wir uns sachkundig machen, wie man so etwas produziert? Wo man es drucken lassen kann, wie binden? Wer übernimmt den Vertrieb? Wie können wir es finanzieren?
Als das geklärt war, haben wir jeweils unsere Cartoons des letzten Jahres zusammengetragen. Bei den ersten Kalendern diskutierten wir inhaltlich noch jedes Bild durch: „Anti AKW – haben wir schon zwei Motive“, „Frauenbewegung – fehlt noch“. Auch stilistisch: „Da hast du aber noch bessere!”... etc. Die kleinen Bildchen und die verbindenden Texte haben wir dann zusammen gezeichnet, manchmal direkt vor Ort beim Treffen.

"Kopf hoch!" Kalender
Detlef Surrey, Fuchsi, Harald Juch,
Hansi Kiefersauer und Peter Petri
Es traf den Nerv der Zeit. Insgesamt lag die verkaufte Auflage bei 5500 bis 8000 Stück, das war nicht schlecht.

Bumerang: Du hast für dich das Zeichnen “als Teil der politischen Arbeit“ angesehen. Wenn ich mir die Comicbücher aus dieser Zeit ansehe, überrascht mich das Politische dieser Comics, wie es heute wohl selten geworden ist. Gab es da damals Vorbilder?

Detlef Surrey: Sehr stark beeinflusst war ich von den amerikanischen Underground Zeichnern. Gilbert Shelton, Robert Crumb, Ron Cobb. Gerhard Seyfrieds anarchisch optimistischer Humor war lange für mich prägend.


Bumerang: In IRRWITZ-Comics der Geschichte "Waffen für die Heilsarmee hat "Emil" seinen ersten Auftritt. Wie kam es dazu?

Detlef Surrey: IRRWITZ-Comics war ursprünglich als regelmäßiges Comicheft geplant. Gerhard Seyfried hatte die Idee und sprach einige Zeichner an, ob sie Lust hätten, mit zu machen? Natürlich hatten wir das!

Hansi Kiefersauer, Gerhard Seyfried, Wolfgang Stein, Detlef Surrey
und Tomas Bunk 1983
Wir trafen uns, brain-stormten drauflos und hatten eine Menge Spaß. Allerdings fürchteten wir uns vor der notwendigen Kontinuität eines regelmäßigen Heftes und beschlossen daher, zuerst einmal ein Buch herauszubringen.
Wir konzipierten es so, dass jeder von uns eine Geschichte zeichnen sollte und die Hauptfiguren der Geschichten sich jeweils zwischen den Geschichten im „Café IRRWITZ“ treffen sollten, um die nächste Story einzuleiten. So erdachte ich "Emil".

IRRWITZ Comics, Weismann Verlag, 1983
Gerhard Seyfried, Hansi Kiefersauer, Detlef Surrey
Tomas M. Bunk und Wolfgang Stein
Bumerang: Emil wirkt wie ein einfacher Angestellter, der bei Frau Krauthuber zur Miete wohnt (die ihm sogar das Frühstück ans Bett bringt), mit Wärmflasche ins Bett geht, dort Tarzan-Comics liest und später davon träumt selber Tarzan zu sein, eigentlich ein harmloser, gutmütiger, altersloser Typ. Eigentlich ein Antiheld, in einem rasanten Abenteuer.

Detlef Surrey: Antiheld ist schon die richtige Beschreibung. Wobei er unwillentlich ja eine Kette von Ereignissen auslöst und am Ende von den Punks und Hausbesetzern als Held gefeiert wird.
Aus IRRWITZ-Comics: "Emil - Waffen für die Heilsarmee"
Bumerang: Sollte der Emil-Comic eigentlich fortgesetzt werden? Nachdem “Irrwitz” nicht fortgesetzt wurde, erschienen die Emil-Strips dann in der “Zitty”. Wie hat sich dies ergeben?

Detlef Surrey: 1983 war ich für einige Zeit in Barcelona. Die dortige Comic Szene faszinierte mich. Man spürte den kulturellen Aufbruch nach der Stagnation in der Franco-Zeit. Es gab sehr interessante Zeichner (Mariscal, Pere Joan oder Max) und innovative Comic Magazine (El Víbora, Cairo, Makoki, Madriz). Sie waren auch politisch anarchisch – aber gleichzeitig grafisch sehr interessant! Das hat mich stark inspiriert.
Zurück in Deutschland brach ich mit meinem Underground Zeichenstil und scribbelte die ersten Vier-Bilder-Emil -Strips. Die „Zitty“ reagierte sehr positiv darauf – und ab Sommer 1983 war der Strip ein fester Bestandteil der Zeitschrift – bis ich die Serie 1991 einstellte.

Bumerang: Der Emil in der “Zitty” wirkte dann mit seinen modischen Klamotten flotter, modern, fast schon cool. Wie kam es dazu, dass Du ihm diese Veränderungen zugesprochen hast? Fast fragt man sich: Was ist denn mit dem Emil passiert, kaum noch wieder zu erkennen.

Detlef Surrey: Ich hatte auf die bestehende Figur aus dem Buch zurückgegriffen, aber erst in den Strips hat sie ihren späteren Charakter entwickelt. 

Ein ironisch-pfiffiger Beobachter der Szene, stets auch mit dem Wunsch „dazuzugehören“, die Trends im Auge zu haben, aber mit den Tücken und Widersprüchen kämpfend.

Die Themen waren immer allgemein menschlich und politisch - die linksalternative Öko-, Friedens- und Hausbesetzerbewegung. Frauen- und Männerrollen, Solidaritätsbewegung mit Nicaragua.

Bumerang: "Emil" war dann jeden Monat in der “Zitty” vertreten?

Detlef Surrey: Die Zitty erschien immer 14-tägig. Der Strip wurde aber auch in anderen Stadtmagazinen veröffentlicht, in Stuttgart, Frankfurt, Münster, Kiel, Osnabrück, Köln... Sogar in Zürich im Tell.
 Die erschienen monatlich. 1989 – 90 erschien er zusätzlich wöchentlich in AKKU, der Jugendbeilage der WAZ in Essen.

Bumerang: Das Emil-Buch „Emil – in flagranti“ erschien 1987 im Berliner Leue Verlag bei dem ja auch die „Kopf hoch!“-Kalender heraus kamen. Wie kam es dazu?


“Emil - in flagranti”, Leue Verlag, Berlin 1987
Detlef Surrey: Gerald Leue war ein unternehmungslustiger Berliner Kleinverleger, mit großer Begeisterung für Cartoons und Comics. In den Jahren seines Bestandes nahm er „Rad ab“ und den „Kopf Hoch! Kalender“ in sein Sortiment auf und veröffentlichte etliche Bücher der Berliner Cartoonisten und Comicszene.
Ich hatte auch ein Angebot von Lappan gehabt, habe mich dann aber für Leue entschieden.

Bumerang: Du hast ja schon vor deinem Studium an der Hochschule der Künste (HdK) professionell gezeichnet. Wie konnte dir das Studium noch weiterhelfen?

Detlef Surrey: Leider harmonierte es nicht so perfekt. An der HdK waren Comics damals nicht sehr geschätzt. Ich fühlte mich nicht akzeptiert – und hatte andererseits Fans und Bestätigung im „richtigen Leben“. So habe ich mich ziemlich aus der Schule zurückgezogen und mich aufs Comic-Zeichnen konzentriert. Da habe ich auch viel verpasst, das sehe ich im Nachhinein. Das bedauere ich heute.

Bumerang: Als Abschlussarbeit an der HdK hast du die Graphic Novel „Transit Berlin“, einen Rundgang durch Berlin, gezeichnet.

Detlef Surrey: „Transit Berlin“ ist ein Roadmovie. 24 Stunden durch das West-Berlin 1985 – vier Jahre vor dem Fall der Mauer. Eine interessante Zeit, finde ich heute noch. Leider ist die Geschichte in sich abgeschlossen und mit 24 Seiten viel zu kurz für ein eigenes Album.

Bumerang: Über die Jahre hast du die Geschichten mit Emil vom Strip mit einer unerwarteten Pointe zu einer Ein-Bild-Zeichnung mit Tiefgang entwickelt. Dadurch verschwand für die Leser der sympathische, ja naive Emil, parallel zu deiner persönlichen Entwicklung hast du auch Emil mit verändert, er wurde kritischer, nachdenklicher – damit kamen die Leser wohl zunächst nicht zu recht.


Detlef Surrey: Ja, ich habe die Figur Emil bei gleichem Namen zweimal stark verändert (1983 und 1988). Das entsprach meiner persönlichen Entwicklung, war aber ziemlich ignorant gegenüber den Lesern und Fans. Das habe ich dann auch an den Reaktionen gemerkt.

Interessanterweise waren die Reaktionen der Berliner Zitty Leser nach der Veränderung 1988 eher negativ. Die Leser der AKKU, der wöchentlichen Jugendbeilage der WAZ, sehr positiv. Die WAZ Leser kannten die alten Strips nicht, sondern nur die „neue“ Persönlichkeit Emils. 















Bumerang: Wieso hast du den Emil-Strip dann im Jahr 1991 beendet?

Detlef Surrey: Anfang der 90er Jahre wurde mir bewusst, dass die Szene deren Lebensgefühl Emil ausgedrückt hatte, sich rapide verändert hatte. Andere Themen wurden wichtiger, das Berufsleben, die Familie. Ich wollte Emil nicht noch ein weiteres Mal verändern und so entschloss ich mich 1991, die Serie einzustellen. 
Es war auch für mich selbst ein Abschied. Ich zeichnete nun keine Cartoons und Comics mehr, begriff mich als Illustrator und arbeitete für Agenturen, Zeitschriften und Verlage.

Bumerang: Danach hast du keine Comics mehr gezeichnet?

Detlef Surrey: Erst 2009 habe ich wieder eine Comicgeschichte gezeichnet. Für den Deutschen Bundestag hatte ich 2007 die Figur Karlchen Adlerentwickelt, für die Öffentlichkeitsarbeit für Kinder. Ob ich denn auch Comics zeichnen könne? wurde ich gefragt. Ja, natürlich!
Es machte mir viel Spaß, mit der Figur wieder Geschichten zu erzählen, komplizierte Inhalte in Comicform zu fassen und zu vermitteln. Im Moment arbeite ich an einer weiteren Geschichte mit Karlchen Adler. Sie spielt in und um das Reichstagsgebäude.

"Karlchen Adler und die Wahlen"
Deutscher Bundestag 2009/2015

Bumerang: Könnte der alte Emil heute noch leben und veröffentlicht werden? So wie es Zeitungscomics gibt die seit den 60er Jahren erscheinen (über verschiedene Zeichner hinweg).

Detlef Surrey: Wenn ich die Emil-Strips heute anschaue, ist mir bewusst, dass sie sehr stark das Lebensgefühl der damaligen Zeit – und da auch einer bestimmten Szene wiedergaben. Es war die alternative Welt West-Berlins, der Friedens- und Ökobewegung. Darin lebte Emil als Mitwirkender wie als Beobachter. Es ist ein bisschen dokumentierte Zeitgeschichte. 
Ich hatte Emil nie als reinen Funny Strip empfunden. Er war immer eingebettet in die politischen und gesellschaftlichen Strömungen. Von daher ist vieles heute kaum noch verständlich ohne die damaligen Zusammenhänge zu betrachten. Manchmal denke ich tatsächlich daran, ihn wieder aufleben zu lassen. Heute, als älter gewordenen Protagonisten, mit der bekannten Vergangenheit in der heutigen veränderten Welt. Vielleicht kommt das ja noch?

Bumerang: Heute, 20 Jahre nach dem Ende der Emil Serie hast du bei Facebook eine Emil-Fanseite. Gibt es dort, aber auch im realen Leben noch Leute, die dich auf Emil ansprechen, weil sie damals die Strips in der Zitty gelesen haben?

Detlef Surrey: Ja, das erlebe ich immer wieder. Manche erzählen, dass er zu ihrer Jugend gehörte, dass er sie eine Weile begleitet hat. Das freut mich sehr.
Detlef Surrey Selbstporträt mit Rick, Emil und Kalle, 1986
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Zum kompletten Interviewtext -> BUMERANG* Interview mit Detlef Surrey


* BUMERANG ist ein Forschungszine. Recherche- und Forschungsthemen sind Selfpublishing von Zines, Books und Tapes sowie Comicforschung, Amateur-Comics (Comiczine-Forschung) und Comic-Produktion. 
Günter Sahler hat Druckereitechnik und Erwachsenenbildung studiert und gibt neben Bumerang die Musikbuchreihe Edition Blechluft heraus.


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